Ein Website-Relaunch kann 60 % deiner Rankings kosten – oder sie verbessern. Der Unterschied liegt in der Planung. Kompletter Fahrplan mit Redirect-Strategie und Checklisten.
Ein Website-Relaunch ist wie ein Umzug: Wenn du planst, läuft alles glatt. Wenn nicht, stehst du vor dem neuen Haus und die Hälfte deiner Möbel ist weg. In SEO-Sprache: Deine Rankings sind weg. Wir haben Unternehmen gesehen, die durch einen schlampigen Relaunch 60 Prozent ihres organischen Traffics verloren haben – und Monate brauchten, um sich zu erholen. Das muss nicht sein. Dieser Fahrplan zeigt dir Schritt für Schritt, wie du deinen Relaunch durchführst, ohne deine hart erarbeiteten Rankings zu opfern.
Wann ein Relaunch sinnvoll ist – und wann nicht
Nicht jede Website braucht einen Relaunch. Manchmal reicht eine Überarbeitung der Inhalte oder ein Design-Update. Ein Relaunch ist sinnvoll, wenn:
- Die technische Basis veraltet ist (z. B. alte PHP-Version, unsicheres CMS)
- Die Website-Struktur grundlegend geändert werden muss
- Ein CMS-Wechsel ansteht (z. B. von Joomla zu WordPress)
- Die Website nicht mehr responsive ist oder schwere Performance-Probleme hat
- Die Marke sich grundlegend verändert hat (Rebranding)
Kein Relaunch nötig, wenn du „nur" die Texte verbessern, neue Bilder einsetzen oder das Design auffrischen willst. Das geht auch innerhalb der bestehenden Website – mit weniger Risiko.
Phase 1: Bestandsaufnahme (4-6 Wochen vorher)
Bevor du irgendetwas änderst, dokumentiere den kompletten Ist-Zustand:
- URL-Liste exportieren: Alle URLs deiner aktuellen Website erfassen. Tools: Screaming Frog, Sitemap oder Google Search Console.
- Rankings dokumentieren: Deine aktuellen Positionen für wichtige Keywords festhalten. Tools: Google Search Console, Sistrix oder SE Ranking.
- Traffic-Daten sichern: Welche Seiten bringen den meisten Traffic? Die Top 20 sind deine VIPs – die dürfen auf keinen Fall verloren gehen.
- Backlink-Profil exportieren: Welche externen Links zeigen auf welche Seiten? Tools: Ahrefs, SEMrush oder Google Search Console.
- Conversion-Daten: Welche Seiten generieren die meisten Anfragen oder Verkäufe? Diese Seiten brauchen besondere Aufmerksamkeit.
- Interne Verlinkung: Wie verlinken deine Seiten untereinander? Bei einer neuen Struktur müssen interne Links angepasst werden.
Phase 2: Redirect-Planung
Das ist der wichtigste Schritt und der, der am häufigsten unterschätzt wird. Jede alte URL muss auf die passende neue URL weiterleiten – per 301-Redirect (permanent). Nicht 302 (temporär), nicht gar nicht.
- Mapping-Tabelle erstellen: Alte URL → Neue URL. Für jede einzelne Seite.
- Keine URL darf ins Leere laufen: Jede 404-Seite ist ein verlorener Besucher und ein negatives Signal für Google.
- Wegfallende Seiten: Wenn eine Seite im neuen Auftritt nicht mehr existiert, leite auf die nächstbeste thematisch passende Seite weiter.
- Jeden Redirect testen: Vor dem Go-Live. Nicht danach. Tools: Screaming Frog kann Redirect-Ketten prüfen.
- Keine Redirect-Ketten: Alte URL → Neue URL. Nicht Alte URL → Zwischenseite → Neue URL. Jeder Zwischenschritt kostet Ladezeit und SEO-Kraft.
Der teuerste Fehler bei Relaunches: „Die Redirects machen wir nach dem Launch." Nein. Jeder Tag ohne Redirects kostet Rankings. Google crawlt die neuen URLs, findet die alten nicht mehr und wertet das als Fehler. Redirects müssen VOR dem Launch fertig sein – nicht danach.
Phase 3: Technische SEO-Checkliste
Beim neuen Auftritt musst du diese Punkte abhaken:
- Alle Meta-Titles und Meta-Descriptions übernommen oder verbessert
- Heading-Struktur sauber: ein H1 pro Seite, logische Hierarchie H2 bis H4
- Interne Verlinkung geprüft: keine Links auf alte URLs
- Bilder optimiert (WebP, komprimiert) und mit Alt-Texten versehen
- XML-Sitemap aktualisiert und bei Google eingereicht
- robots.txt geprüft: keine versehentlichen Blockierungen (häufiger Fehler: Staging-robots.txt wird mit in die Produktion übernommen)
- Canonical Tags korrekt gesetzt
- Strukturierte Daten (Schema.org) übernommen oder hinzugefügt
- Hreflang-Tags bei mehrsprachigen Seiten
- Core Web Vitals der neuen Seite geprüft (LCP, INP, CLS)
- SSL aktiv und alle Seiten auf HTTPS
Phase 4: Staging und Testing
Die neue Website sollte auf einer Staging-Umgebung fertig sein und dort getestet werden:
- Alle Redirects auf Staging testen
- Alle Formulare auf Funktion prüfen
- Mobile-Ansicht auf echten Geräten testen
- Ladezeit messen und optimieren
- Tracking-Codes (Analytics, Tag Manager) prüfen
- Cookie-Banner und Datenschutz testen
Wichtig: Die Staging-Seite muss auf noindex stehen, damit Google sie nicht versehentlich indexiert. Vor dem Go-Live das noindex entfernen.
Phase 5: Launch und Monitoring
Am Launch-Tag und in den Wochen danach:
- Tag 1: Redirects live schalten, Sitemap bei Google einreichen, robots.txt prüfen (noindex entfernt?)
- Woche 1: Google Search Console täglich auf Crawling-Fehler prüfen. 404-Fehler sofort mit Redirects beheben.
- Woche 1-2: Rankings monitoren. Leichte Schwankungen sind normal, starke Einbrüche nicht.
- Woche 2-4: Ladezeiten der neuen Seite prüfen. Core Web Vitals in Search Console beobachten.
- Monat 2-3: Traffic-Vergleich mit den Daten vor dem Relaunch. Gibt es Seiten, die deutlich verloren haben?
Wie lange dauert die Erholung?
Bei einem sauber durchgeführten Relaunch solltest du nach 2 bis 4 Wochen wieder auf dem alten Niveau sein – oft sogar darüber, weil die neue Website schneller und besser strukturiert ist.
Wenn nach 6 Wochen die Rankings immer noch deutlich unter dem Vorher-Niveau liegen, wurde etwas falsch gemacht. Häufigste Ursachen:
- Fehlende oder fehlerhafte Redirects
- robots.txt blockiert wichtige Seiten
- Canonical Tags zeigen auf falsche URLs
- Interne Links zeigen noch auf alte URLs
- Wichtige Seiten haben keinen Content mehr oder deutlich weniger als vorher
Häufige Fragen
Kann ich während des Relaunches die URL-Struktur ändern?
Ja, aber jede geänderte URL braucht einen 301-Redirect. Je mehr URLs sich ändern, desto wichtiger ist die sorgfältige Redirect-Planung. Wenn möglich, behalte die bestehende URL-Struktur für die wichtigsten Seiten bei.
Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Relaunch?
Vermeide deine umsatzstärkste Zeit. Ein Onlineshop sollte nicht im November relaunchen, ein Gartenbau-Unternehmen nicht im Frühling. Ideal sind ruhigere Geschäftsphasen, in denen ein vorübergehender Traffic-Rückgang weniger schadet.
Muss ich Google über den Relaunch informieren?
Nicht direkt, aber: Reiche die neue Sitemap über die Google Search Console ein und nutze die URL-Prüfung für deine wichtigsten Seiten. So beschleunigst du die Neuindexierung.
Was mache ich, wenn nach dem Relaunch Rankings einbrechen?
Sofort prüfen: Sind alle Redirects aktiv? Blockiert robots.txt etwas? Sind Canonical Tags korrekt? Gibt es viele 404-Fehler in der Search Console? Die häufigste Ursache sind fehlende oder fehlerhafte Redirects.
Wie lange sollte ich Redirects aktiv lassen?
Mindestens 12 Monate, idealerweise dauerhaft. Google braucht Zeit, um die neuen URLs vollständig zu indexieren. Und Backlinks von externen Seiten zeigen oft noch jahrelang auf alte URLs.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Bestandsaufnahme vor dem Relaunch: URLs, Rankings, Traffic, Backlinks dokumentieren
- 301-Redirects sind der kritischste Schritt – jede alte URL muss korrekt weiterleiten
- Redirects VOR dem Launch fertig haben, nicht danach
- robots.txt und noindex von der Staging-Umgebung nicht versehentlich übernehmen
- Nach dem Launch mindestens 4 Wochen intensiv monitoren
- Bei sauberem Relaunch ist die Erholung in 2 bis 4 Wochen abgeschlossen
Merksätze
Ein Relaunch ohne Redirect-Plan ist wie ein Umzug, bei dem du die Adressänderung vergisst.
Die beste neue Website nützt nichts, wenn Google sie nicht findet.
Du planst einen Relaunch und willst deine Rankings behalten? Wir begleiten dich durch den gesamten Prozess – von der Bestandsaufnahme bis zum Monitoring nach dem Launch.